Delegation nach Nordkurdistan
Im Januar reiste eine Delegation von 16 Internationalist:innen aus Deutschland nach Nordkurdistan. Darunter waren 13 junge Frauen und eine nicht-binäre Person. Während der Reise wurden mehrere Delegationsteilnehmer:innen von türkischen Behörden festgenommen, misshandelt und gefoltert.
Unsere Genossin Paula wurde nach ihrer Festnahme im internationalen Flughafen von Istanbul in Abschiebehaft genommen. Während der Inhaftierung erlebte Sie immer wieder Gewalt und wurde von einem türkischen Beamten vergewaltigt.
Anlass der Delegation waren die Angriffe auf die Errungenschaften der demokratischen und Frauenrevolution in den kurdischen Gebieten. Im Januar griffen HTS-geführte Kräfte und die syrische Übergangsregierung unter al-Scharaa kurdische Stadtteile in Aleppo an. Unterstützung erhielten die syrischen Übergangskräfte dabei nicht nur vom türkischen Staat. Auch westliche Staaten und Kräfte trugen dazu bei. Seit Mitte Januar gingen sie zu einem umfassenden Angriff auf die Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien über.
Es ging um nichts weniger als die Existenz und das Überleben dieses revolutionären Projekts, das seit über einem Jahrzehnt Frauen und Unterdrückten auf der ganzen Welt Hoffnung bringt.
Die Frauenrevolution leben
In den kurdischen Gebieten wird um die Rechte der Frau gekämpft. Es werden Bildungsangebote von und für Frauen organisiert, das Selbstbestimmungsrecht verteidigt, konsequent gegen patriarchale Gewalt gekämpft und Frauen stehen in den ersten Reihen der demokratischen Revolution. Deshalb stehen widerständige Frauen ganz besonders im Fokus der staatlichen Gewalt.
Sexualisierte Gewalt ist ein politischer Angriff auf uns Frauen und wir müssen politisch darauf antworten.
Nicht nur in Kurdistan, sondern auf der ganzen Welt beobachten wir, wie patriarchale Gewalt gegen politische Frauen eingesetzt wird. Diese Form der Repression erfüllt im Wesentlichen zwei Dinge. Sie zielt erstens darauf ab, uns einzuschüchtern und den Widerstand von uns Frauen zu brechen. Sie dient zweitens aber auch als direktes Mittel, das Patriarchat in unserer Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die Vorherrschaft des Mannes über die Frau sicherzustellen.
Mit der Entscheidung, die Erfahrungen der Delegation zu veröffentlichen, gehen wir einen bewussten Schritt im Kampf gegen diese Repression. Die Gewalt zielt darauf ab, uns zum Schweigen zu bringen, doch wir antworten alle gemeinsam. Die Gewalt will uns lähmen, doch wir entschieden uns, nicht nur weiterzumachen, sondern die Repression als Anlass zu nehmen, den Kampf noch entschlossener zu führen.
Uns muss klar sein, dass sich niemals etwas an dieser patriarchalen Unterdrückung und Gewalt verändern wird, wenn wir die Veränderung nicht selbst in die Hand nehmen. Die Ohnmacht, die man nach Repressionen und insbesondere nach sexualisierter Gewalt oft verspürt, müssen wir kollektiv mit unserer Frauensolidarität auffangen und in Wut und Widerstand verwandeln.
