{"id":228,"date":"2021-03-01T16:25:18","date_gmt":"2021-03-01T16:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/frauenkollektiv.de\/?p=228"},"modified":"2021-03-07T13:59:32","modified_gmt":"2021-03-07T13:59:32","slug":"samstagsmuetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frauenkollektiv.de\/index.php\/2021\/03\/01\/samstagsmuetter\/","title":{"rendered":"Samstagsm\u00fctter"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Milit\u00e4rputsch vom September 1980 ist das \u201everschwinden lassen\u201c von Menschen in der T\u00fcrkei eine g\u00e4ngige Praxis.<br \/>\nVerschwinden lassen \u2013 was hei\u00dft das?<br \/>\nFortschrittliche, antifaschistische, linke Menschen werden festgenommen oder zu Verh\u00f6ren bei der Polizei mitgenommen. Danach tauchen sie jedoch nicht mehr auf. Angeh\u00f6rige oder Anw\u00e4lte bekommen keine Auskunft \u00fcber ihren Verbleib. Viele Menschen sind seit Jahren verschwunden, von anderen wurde der K\u00f6rper in Waldst\u00fccken gefunden. Folter und Mord sind eine g\u00e4ngige Praxis, doch die M\u00fctter der verschwunden gelassenen wollten sich das nicht gefallen lassen. Seit Mai 1995, versammelen sich die M\u00fctter und Angeh\u00f6ren jeden Samstag vor dem Galatasaraygymnasium in Istanbul. Mit Fotos von ihren Verschwundenen Kindern, Schwestern, Br\u00fcdern, fordern sie schweigend die Aufkl\u00e4rung der Verbrechen und das vor Gericht bringen der Schuldigen.<br \/>\nImmer wieder werden die Samstagsm\u00fctter von der Polizei angegriffen, sei es durch Beleidigungen, Kn\u00fcppelschl\u00e4ge, Tritte oder \u00fcber den Boden zerren. Die Samstagsm\u00fctter werden Angeklagt, werden inhaftiert und in die Gef\u00e4ngnisse gesperrt, doch sie geben nicht auf! Frauen, die weder lesen, noch schreiben konnten, wurden wegen \u201eAnschreiben von Parolen an die Zellenw\u00e4nde\u201c vor Gericht gestellt. Jeder sieht, dass dieses Vorgehen des t\u00fcrkischen Staates reine Schikane ist. Zu Beginn waren es nur 15 Menschen, doch der Protest hat sowohl in der T\u00fcrkei, als auch im Ausland f\u00fcr Aufruhr gesorgt. Vier Jahre nach Beginn der Aktionen wurde der Protest vorl\u00e4ufig eingestellt.<br \/>\n\u201eMonatelang wurden wir sofort festgenommen, manchmal schon beim Verlassen des Menschenrechtsvereins\u201c, sagt Maside Ocak (Die Mutter von Hasan Ocak, einem Verscheundenen und Initiatorin der Samstagsm\u00fctter). Aber sie h\u00e4tten nicht nur darum aufgeh\u00f6rt: \u201e1999 gab es nur noch neun neue F\u00e4lle. Das war unser Erfolg. Und das war all die Schl\u00e4ge und das Tr\u00e4nengas wert.\u201c<br \/>\nSeit 2009 sind die Samstagsm\u00fctter nun wieder jeden Samstag auf der Stra\u00dfe.<br \/>\nSeit nunmehr 23 Jahren, am letzten Samstag zum 685. mal, fordern sie Samstag f\u00fcr Samstag Informationen \u00fcber die Verschwundenen und ihre R\u00fcckkehr, auch wir schlie\u00dfen uns der Forderung an!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Milit\u00e4rputsch vom September 1980 ist das \u201everschwinden lassen\u201c von Menschen in der T\u00fcrkei eine g\u00e4ngige Praxis. Verschwinden lassen \u2013 was hei\u00dft das? Fortschrittliche, antifaschistische, linke Menschen werden festgenommen oder zu Verh\u00f6ren bei der Polizei mitgenommen. Danach tauchen sie jedoch nicht mehr auf. Angeh\u00f6rige oder Anw\u00e4lte bekommen keine Auskunft \u00fcber ihren Verbleib. 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