Wer wir sind und wofür wir kämpfen

Wir sind das Frauenkollektiv, eine Gruppe von Frauen verschiedensten Alters. Wir sind Arbeiterinnen, Schülerinnen, Mütter, Studentinnen, Rentnerinnen und Azubis. Uns gibt es in mehreren Städten Deutschlands. Wir sind alle sehr unterschiedlich, haben verschiedene Erfahrungen und Lebensrealitäten. Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit: Wir leben und fühlen als Frauen und wurden als solche sozialisiert!

Dies bringt offensichtliche und weniger offensichtliche Besonderheiten mit sich. Uns allen wurden bestimmte Verhaltensweisen, Rollenbilder und Erwartungen vermittelt, die definieren, wie wir uns selbst als Frauen sehen (sollen) und wie wir von anderen wahrgenommen werden.

Um unsere persönlichen Erfahrungen zu reflektieren und die gesellschaftlichen Umstände zu verändern, organisieren wir uns im Frauenkollektiv und kämpfen für eine Gesellschaft, in der es ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen allen Menschen gibt. Dabei machen wir patriarchale Unterdrückungsverhältnisse und ihre Profiteure sichtbar und unterstützen gleichzeitig Betroffene von mehrfacher Diskriminierung.

Denn wir sind als Frauen alles andere als frei und gleichberechtigt. Tagtäglich erleben wir in dieser männerdominierten Gesellschaft wie konservative Rollenbilder fortwährend zum Tragen kommen. Wir wollen Gleichberechtigung. Wir wehren uns seit Jahrhunderten dagegen, als das „schwächere Geschlecht“ bezeichnet zu werden. Wir wehren uns, wenn über uns gewitzelt wird, wir weniger verdienen, wir weniger zu sagen haben oder von uns Gesagtes permanent in Frage gestellt wird. Wir verbinden uns, wenn uns Gewalt in verschiedensten Facetten im Alltag begegnet und angetan wird.

Von uns Frauen wird gesellschaftlich erwartet, dass wir uns ohne Widerworte um Haushalt, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen kümmern und dabei immer dem Bild der perfekten Partnerin, Mutter und Karrierefrau entsprechen.

Wir sollen unsere Körper vermarktbar machen, als verwertbare Arbeitskraft erhalten und dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen. Unsere Bedürfnisse sollen wir dabei aus dem Blick verlieren. Es gibt unzählige Beispiele, die im Gesamten betrachtet, die systematische Unterdrückung der Frau verdeutlichen.

Dieses System nennt sich Patriarchat. Unter dem Patriarchat verstehen wir die seit Jahrtausenden bestehende Unterdrückung aufgrund des Geschlechts, die sich in einer männlich dominierten Gesellschaft ausdrückt und die Bedürfnisse der Männer in den Vordergrund stellt. Das gilt beispielsweise für die Darstellung von Sexualität oder die Arbeitswelt, schlägt sich aber in allen Bereichen der Gesellschaft nieder.

Uns ist gleichwohl bewusst, dass auch an Männer Rollenbilder und Erwartungen gestellt werden. Trotzdem profitiert jeder Mann von patriarchalen Privilegien, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.

All das empfinden wir als Unterdrückung – eine Unterdrückung durch das Patriarchat innerhalb des derzeit bestehenden kapitalistischen Systems.

Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Patriarchat und anderen Unterdrückungsformen wie Rassismus oder der Klassengesellschaft. Viele Frauen sind mehrfach unterdrückt und einer Verzahnung von Unterdrückungen ausgesetzt. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, jede Form der Unterdrückung zu beseitigen.

In schwesterlicher Solidarität treten wir an für eine Gesellschaft, in der wir nicht nur formal gleichgestellt sind, sondern in der diese Gleichberechtigung in unseren Lebensrealitäten ankommt! Gegen Patriarchat und Unterdrückung – Für Selbstbestimmung und Selbstverantwortung!

Wir organisieren uns gemeinsam als Frauen, bringen politische Aktionen hervor, stellen uns gegen dieses System und treten aus der Stille heraus. Wir stärken uns, indem wir Frauensolidarität leben und spüren, eine Sensibilität bei anderen Frauen hervorrufen, uns schützen, austauschen und bilden und mit unseren Forderungen in die Öffentlichkeit treten.

Wir stehen zusammen und sind uns einig: Keine Frau ist allein mit dem was sie erlebt! Ein Angriff auf Eine von uns ist ein Angriff auf Alle von uns!